Behandlungsziele und Behandlungsmöglichkeiten bei Osteoporose
Bei der Behandlung der Osteoporose unterscheiden wir grundsätzlich zwischen der Therapie der Osteoporose selbst, der Behandlung möglicher Auswirkungen wie Schmerzen oder Frakturen sowie der Reduktion des erhöhten Sturzrisikos. Darüber hinaus erfolgt die Behandlung sekundärer Osteoporose, also der Therapie zugrunde liegender Erkrankungen, die Osteoporose verursachen können. Zu den wesentlichen Therapieansätzen gehören:
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Therapie der Osteoporose: Ernährung, Bewegungstherapie und medikamentöse Behandlung
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Behandlung der Auswirkungen: Physikalische Therapie, Schmerzbehandlung und Versorgung von Knochenbrüchen (z. B. Gips, Operation)
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Therapie der Grunderkrankung: z. B. Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion
Die Unterscheidung zwischen Prävention (Vorsorge) und Therapie (Behandlung) ist häufig fließend. Was die Bedeutung von Ernährung und Bewegung betrifft, gelten bei der Therapie viele der gleichen Grundsätze wie bei der Prävention. Es ist jedoch entscheidend, diese Maßnahmen individuell an das Alter, die spezifischen Beschwerden (wie Schmerzen) sowie den allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten anzupassen.
Osteoporose ist nicht heilbar
Grundsätzlich gilt leider immer noch, dass die Osteoporose bisher nicht heilbar ist, jedenfalls nicht im Sinne einer völligen „Wiederherstellung“ der ursprünglich gesunden Situation. Vor allem ist es bis dato nicht möglich, die einmal verlorene Knochensubstanz wieder vollständig aufzubauen und den ursprünglichen Knochenzustand – wie er mit Erreichen der Gipfelknochenmasse um das 20.–25. Lebensjahr bestand – zurückzugewinnen. Mit den derzeit verfügbaren Medikamenten ist allenfalls eine sehr begrenzte Zunahme der Knochenmasse zu erreichen, die 10 % der zu Beginn der Therapie noch vorhandenen Knochenmasse innerhalb einiger Jahre selten übersteigt.
Auch eine relativ geringe Zunahme der Knochenmasse kann jedoch häufig zu einer deutlichen Verbesserung des Krankheitsbildes führen. Strukturelle Veränderungen wie Höhenminderung, Keilwirbelbildung oder Fischwirbelbildung bleiben in der Regel bestehen. Nach einem Wirbeleinbruch kann es zu einer knöchernen Stabilisierung (Konsolidierung) kommen, die jedoch nicht mit der Heilung eines Unterarmbruchs vergleichbar ist. Eine gewisse „Wiederaufrichtung“ eines eingestürzten Wirbelkörpers kann in ausgewählten Fällen mithilfe der sogenannten Ballon-Kyphoplastie erreicht werden.
Definition der Behandlungsziele
Die klare Definition der Behandlungsziele ist ein entscheidender Schritt vor Beginn jeder Therapie. Einerseits schützt sie vor falschen Hoffnungen, andererseits verhindert sie Enttäuschungen durch unrealistische Erwartungen. Eine präzise Diagnose und die genaue Klassifizierung der Osteoporose sind Voraussetzung dafür.
Ein Beispiel ist die kortisonbedingte (sekundäre) Osteoporose im Rahmen einer hochaktiven rheumatischen Erkrankung: Auch wenn das Absetzen des Kortisons wünschenswert erscheint, ist dies nicht immer möglich. In solchen Fällen richtet sich die Therapie auf die symptomatische Behandlung der Osteoporose.
Senkung des Knochenbruchrisikos
Die schwerwiegendste Folge der Osteoporose ist der osteoporotische Knochenbruch – insbesondere Wirbelbrüche und der Oberschenkelhalsbruch. Daher stellt die Verhinderung von Knochenbrüchen das wichtigste Behandlungsziel dar. Wir verfügen über umfangreiche Erfahrung in der Anwendung von Medikamenten, die das Frakturrisiko deutlich senken.
Ein typischer osteoporotischer Knochenbruch tritt häufig nach einem „geringfügigen Unfallereignis“ (low-trauma fracture) auf, bei dem gesunde Menschen keinen Bruch erleiden würden. Schon eine leichte Verbesserung der Knochenqualität und das Verhindern weiteren Knochenabbaus können das Bruchrisiko spürbar reduzieren.
Senkung der Knochenabbaurate („Fast-Loser-Situation“)
Eine erhöhte Knochenabbaurate führt zu einer fortschreitenden Verschlechterung der Knochenqualität und der inneren Knochenstruktur. Übersteigt der jährliche Verlust an Knochenmasse 3 %, spricht man von einer „Fast-Loser-Situation“. Dies betrifft etwa 30–40 % der Frauen nach den Wechseljahren.
Für die Therapie ist entscheidend, dass eine erhöhte Knochenabbaurate unbedingt abgebremst werden muss. Daher ist die Diagnose einer High-Turnover-Osteoporose vor Behandlungsbeginn wichtig – sowohl für die Auswahl der geeigneten Medikation als auch für die Festlegung realistischer Therapieziele.
Liegt eine gesteigerte Knochenabbaurate vor, besteht das primäre Behandlungsziel in der Normalisierung des Knochenstoffwechsels durch den Einsatz eines knochenabbauhemmenden Medikaments (Antiresorptivum). Zu den wirksamsten Substanzen zählen Bisphosphonate, SERMs, Calcitonin und Östrogene. Der Therapieerfolg kann durch eine anschließende Knochendichtemessung überprüft werden.
In der nachfolgenden Abbildung wurde beispielhaft eine konstante Knochenabbaurate von 3 % pro Jahr – entsprechend einer Fast-Loser-Situation – über einen Zeitraum von 20 Jahren angenommen. Ausgehend von einer vollständigen Knochenmasse im Alter von 50 Jahren wären bis zum 70. Lebensjahr nahezu 50 % der damaligen Knochenmasse verloren gegangen. Im Alter von 70 Jahren würde die Knochendichte tatsächlich nur noch etwa 54,4 % der mit 50 Jahren vorhandenen Knochenmasse betragen. Dabei ist jedoch keineswegs garantiert, dass mit 50 Jahren überhaupt noch die vollständige maximale Knochenmasse – die sogenannte Gipfelknochenmasse, die typischerweise zwischen dem 20. und 25. Lebensjahr erreicht wird – vorhanden ist. Vielmehr ist es möglich, dass bereits bis zum 50. Lebensjahr ein signifikanter Knochenverlust stattgefunden hat.

Schmerzbehandlung
Die Behandlung osteoporosebedingter Schmerzen – meist in Form von Rückenschmerzen – ist ein weiteres wichtiges Therapieziel, auch wenn sie nicht zur kausalen Behandlung der Osteoporose zählt. Akute Schmerzen entstehen häufig bei frischen Wirbelfrakturen, chronische Beschwerden meist durch muskuläre Verspannungen nach strukturellen Veränderungen der Wirbelsäule.
Zur Schmerztherapie stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung; bei ausgeprägten Beschwerden kann der Einsatz moderner Opiat-Schmerzpflaster erforderlich sein. Bei chronischen Schmerzen ist die Einbindung eines Schmerztherapeuten sinnvoll.
Verbesserung der Mobilität
Ein weiteres Ziel ist die Wiederherstellung bzw. Verbesserung der Beweglichkeit und Alltagsselbstständigkeit. Hierzu zählen Krankengymnastik, Bewegungstherapie, spezielle Osteoporosegymnastik sowie physikalische Anwendungen wie Fango, Reizstrom, Stangerbad oder elektromagnetische Felder. Eine Behandlung sollte möglichst durch speziell geschulte Therapeutinnen und Therapeuten erfolgen.